RIM NE 80

Irgendwann im Jahre 2017 bin ich auf einer bekannten Auktionsplattform auf ein Gerät aufmerksam geworden. Allem Anschein nach handelte es sich um eine einstellbares Labornetzteil von einem Hersteller, dessen Name ich nie zuvor gehört habe. Auch eine umfangreiche Internetrecherche beantwortete nicht alle Fragen. Immerhin klärte sich, wer der Hersteller dieses ominösen Gerätes war. Radio-RIM, seinerseits Entwickler und Anbieter von elektronischen Geräten und Bausätzen, schuf wohl einige namhafte Röhrenverstärker und brachte auch eine große Menge an Laborgeräten auf den Markt. Bis zum heutigen Tage findet man jedoch keinerlei Informationen über das Modell NE 80. Mit dem Wissen, dass es sich sicherlich um eine qualitativ hochwertiges und eventuell historisch wertvolles Gerät handelt, wurde es akquiriert.

Natürlich war das Labornetzteil nicht vollständig funktionsfähig. In der Beschreibung des Angebots wurde schon erwähnt, dass beim Einschalten des Geräts die Nadel des analogen Voltmeters schlagartig auf Anschlag geht (hier bitte Sicherheitsbedenken einfügen). Als erfahrener Bastler ist das natürlich umso besser. Wenn nicht gerade ein äußerst exotisches Bauteil Ursache für die Fehlfunktion ist, kann man viel Spaß bei Fehlersuche und Fehlerbeseitigung haben und dabei viel über die Konstruktion des Geräts lernen.

Nach einigen Tagen Wartezeit, kam ein sehr großes und sehr schweres Paket an. Die Vorbesitzer haben glücklicherweise keine Mühen gescheut, das Labornetzteil sicher zu verpacken. Als nun etliche Lagen Verpackungs- und Polstermaterial entfernt wurden, durfte ich einen ersten genaueren Blick auf das Gerät werfen.

Da die Neugierde obsiegte, wurde das Labornetzeil mit Kaltgeräteleitung an das Stromnetz gehängt und der Einschaltknopf (erster Knopf von oben) betätigt. Das zuvor beschriebene Verhalten bestätigte sich und das Netzteil reagierte auch nicht auf verstellen der Drehknöpfe. Als erste Aktion der Fehlersuche wurde die Gleichspannung an den Ausgangsklemmen gemessen. Ich denke es ist nachvollziehbar, dass das Gerät recht schnell wieder ausgeschaltet wurde, als ich einen Messwert von etwa 115 V Gleichspannung sah und es mit der Tatsache kombinierte, dass die Skala des Labornetzteils nur Werte bis 80 V anzeigt. Immerhin war nun klar, dass noch Leben in dem alten Gerät steckt, auch wenn es unglücklicherweise etwas unkontrolliert heraussprudelte.

Einige Fragen waren aber endlich geklärt. Das Labornetzteil erzeugt, wie die Zahl im Namen schon verrät, eine Ausgangsspannung im Bereich von 0 V bis 80 V und das bis zu einem Ausgangsstrom von 2,5 A, was insgesamt zu einer maximalen Leistung von 200 Watt beiträgt. Das erklärt auch das massive Gewicht von etwa 20 kg. Da es sich um ein klassisches lineares Netzteil handelt, muss ein großer Transformator und ein ausreichend großer Kühlkörper für die Längstransistoren verbaut sein.

Hierin liegt auch schon die erste Erklärung für die ziemlich gefährliche Spannung am Ausgang des Labornetzteils. Einer der insgesamt zwei Längstransistoren war niederohmig zerstört und verband die ungeregelte interne Spannung des Geräts direkt mit dem Ausgang. Es war also nun an der Zeit die Innereien des Netzteils zu begutachten. Nach dem Lösen einiger Schrauben auf der Rückseite konnte die ganze Konstruktion auf einer Art Schlitten mitsamt Frontplatte nach vorne aus dem Gehäuse gezogen werden. Hierbei offerierte sich mir ein wahrlich wundervoller Anblick.

Was für ein Anblick. Eindeutig zu erkennen sind der große Transformation, die vier riesigen Elektrolytkondensatoren und der Kühlkörper, der sich auf der linken Bildseite fast über die gesamte Länge des Netzteils zieht. Was jedoch auf den ersten Blick auffällt, ist der Ventilator, der den Abtransport der Wärme verbessern soll.

Der Rotor scheint aus einem runden Stück Blech gefertigt zu sein, das in regelmäßigem Abstand eingeschnitten und gebogen wurde. Anschließend wurde es mit einem Kleber an der Motorachse befestigt. Der Motor selber wird über einen Bimetallschalter angesteuert, der sich am Kühlkörper befindet. Ist der Ventilator aktiv, leuchtet auch die mit „Therm. Autom.“ beschriftete Lampe auf der Frontplatte.

Das nächste interessante Element ist der Kühlkörper. Dieser ist über Abstandshalter aus Kunststoff elektrisch vom Gehäuse isoliert, da dieser direkten Kontakt mit dem Gehäuse der Längstransistoren hat und somit direkt auf dem Potential des Kollektors der NPN-Transistoren (darum gehts ja anscheinend auf dieser Webseite) vom Typ 2N3773 liegt (ca. 115 V DC!). Auf dem Bild zu sehen sind von links nach rechts: Längstransistor #1, Bimetallschalter des Ventilators, Längstransistor #2, NPN-Transistor der Darlington-Ausgangsstufe, Transistor mit unbekannter Funktion

Ganz unscheinbar neben/unter dem Kühlkörper befinden sich zwei zu einer Spirale gewickelten Metalldrähte. Nach dem nachvollziehen der Verdrahtung zeigte sich, dass die Drähte an einer Seite gemeinsam verbunden wurden und auf der anderen Seite jeweils mit dem Emitter eines Längstransistors verbunden waren. Es handelt sich hier also um selbstgewickelte Emitterwiderstände, vermutlich aus Konstantan.

Ebenfalls auf der Oberseite (ja es gibt noch eine Unterseite) befindet sich eine separate Platine. Diese beherbergt zwei Hochspannungsbrückengleichrichter (der Begriff Hochspannung ist natürlich relativ), drei Elektrolytkondensatoren, drei Zenerdioden und zwei Leistungswiderstände. Es war klar, dass hier Hilfsspannungen für die Regelelektronik erzeugt werden und mittels Vorwiderstand und Zenerdioden einigermaßen stabilisiert werden. Genauere Betrachtung zeigt, dass die Zenerdioden in Reihe geschaltet sind und über den kleineren Leistungswiderstand an der ungeregelten Spannung anliegen. Bei dem anderen Leistungswiderstand handelt es sich tatsächlich um den Strommesswiderstand des Labornetzteils, was sich unter anderem an der „leichten“ Verfärbung des Leiterplattenmaterials zeigt.

Bei den Bauteilen rechts neben der beschriebenen Leiterplatte handelt es sich um zwei Thyristoren mit Drosseln, die vermutlich Teil eines Thyristorstellers sind. Genaueres konnte ich noch nicht herausfinden.

Kommen wir also zur genauso interessanten Unterseite. Hier möchte ich erstmal meinen Respekt für die Verdrahtung des Labornetzteils ausdrücken. Einen solchen Kabelbaum so sauber herzustellen und penibel jeden Zentimeter mit Garn zusammenzuschnüren zeugt von wahrer Hingabe. Ich wäre nicht in der Lage das so anzufertigen, jedoch gibt es auch gute Gründe, warum man solche Kunstwerke heute nicht mehr sieht.

Hier ist sie also, die Regelelektronik. Hier wurde viel Wert auf einfache Wartung gelegt. Die Leiterplatte ist über Steckkontakte mit dem Rest verbunden und lässt sich damit für Reparaturen leicht entfernen. Das war auch gut so, denn wie sich herausstellte, gab es nicht nur einen Defekt an den Längstransistoren. Dieser wurde durch Austausch von einem 2N3773 behoben. Das Netzteil war jedoch immer noch nicht regelbar, auch wenn nun ungefährliche 0 V am Ausgang anlagen. Nach einigen Messungen war klar, dass zwei Transistoren der Regelelektronik ebenfalls defekt waren. Nachdem Ersatz beschafft wurde, wurdenn die neuen Transistoren eingelötet.

Dabei wurde natürlich mit großer Vorsicht gearbeitet, um die handgezeichneten Leiterbahnen nicht von der Leiterplatte abzulösen. Mit großer Erwartung wurde das Labornetzteil für den ersten Testlauf an das Stromnetz angeschlossen und war nun tatsächlich wieder in der Lage, vermutlich nach vielen Jahren, wieder eine regelbare Ausgangsspannung zu erzeugen. Ebenso erfreulich war die Tatsache, dass die analoge Anzeige ohne Probleme funktionierte und die Messbereichsumschaltung, sowie die Strombegrenzung tadellos ihren Dienst verrichteten. Die Anzeige ist relativ genau und die Ausgangsspannung ist relativ stabil.

Aus Zeitmangel war ich bisher nicht in der Lage weitere Arbeiten am RIM NE 80 durchzuführen. Insbesondere liegt mir die Dokumentation des Labornetzteils am Herzen, da (zumindestens im Internet) dazu nichts zu finden ist. Außerdem sollten nach so einer langen Zeit die Elektrolytkondensatoren ausgetauscht werden. Das stellt sich natürlich als nicht besonders einfach heraus, da es kaum noch Hersteller von axialen Elektrolytkondensatoren gibt und die passenden Kapazitäts- und Spannungskombinationen zum Teil überhaupt nicht mehr angeboten werden. Ebenfalls sind damit hohe Kosten verbunden, da Ersatz für die vier großen Filterkondensatoren äußerst kostspielig ist.

Abschließend lässt sich sagen, dass es sich bei dem Radio-RIM NE 80 um ein faszinierendes Stück Labortechnik handelt. Die zum Teil wirklich faszinierende Konstruktion und das Wissen, welches in dem Gerät steckt sind sehr inspirierend. Bis zum heutigen Tage verrichtet es zuverlässig seinen Dienst. Falls ich in Zukunft Zeit finde um mich weiter mit dem RIM NE 80 zu beschäftigen, werde ich die Ergebnisse hier veröffentlichen. Besonders am Herzen liegt mir ein vollständiger Schaltplan des Geräts, um es für alle Welt offenzulegen und die genaue Funktion zu verstehen. Es gibt auf der Leiterplatte der Regelelektronik zu viele Trimmer, deren Funktion noch unbekannt sind.

Falls jemand das hier liest und eventuell etwas über das RIM NE 80 weiß, bitte ich um Kontaktaufnahme hier auf der Webseite oder per Email an dennis@wtzg.de

Ich hoffe dieser Beitrag war für einige interessant und/oder hilfreich.

-Dennis